Peter Hans Kneubühl

Chronik einer Blamage – Der Fall Kneubühl

Ein schiessender Rentner tagelang auf der Flucht, ein schwer verletzter Polizist – erfolgreiche Ermittlungsarbeit sieht anders aus. Dabei begann alles ganz harmlos. Ein zur Versteigerung stehendes Haus sollte besichtigt werden. Doch dann fielen Schüsse.

1. Tag – 8. September 2010

Für den Nachmittag ist ein Besichtigungstermin im Haus von Peter Hans Kneubühl angesetzt. Es soll in Kürze versteigert werden. Grund dafür sind Erbstreitigkeiten mit der Schwester Kneubühls. Der 67jährige hat im Vorfeld jede Kontaktaufnahme verweigert. Deshalb rückt die Polizei an. Doch Kneubühl öffnet nicht. Im Gegenteil, er verbarrikadiert sich. Daraufhin wird das Gelände um das Haus herum weiträumig abgesperrt.

Im Verlauf der Nacht schiesst Kneubühl auf die Einsatzkräfte und flüchtet. Die genauen Umstände seines Entkommens bis heute unklar. In der Öffentlichkeit wird über einen Geheimtunnel spekuliert. Aber vermutlich entkam er zu Fuss. Dabei schoss er auf einen Polizisten und verletzt ihn schwer.

2. Tag – 9. September 2010

Kneubühl ist auf der Flucht. Die Suche nach dem Schützen läuft auf Hochtouren. Allerdings benutzt die Polizei ein falsches Fahndungsfoto. Auf dem Bild ist nicht Peter Hans Kneubühl zu sehen, sondern dessen Vater. Die Ermittler werden diesen Fauxpas erst nach fünf Tagen bemerken.

Die Kantonspolizei Bern erhöht ihre Präsenz in Biel und Umgebung. Die Suche nach Kneubühl wird mit Polizeihunden sowie einem Helikopter der Armee intensiviert.

3. Tag – 10. September 2010

Kneubühl taucht erneut im Bieler Lindenquartier auf. Er schiesst mehrfach auf die Einsatzkräfte. Verletzt wird niemand.

Besonders obskur: Die Polizei hatte mit einer Rückkehr gerechnet und unauffällig Beamte in Zivil postiert. Einer der Ermittler entdeckt Kneubühl, doch sein Funkgerät fällt just in diesem Moment aus. Diese Panne müsse man akzeptieren, sagt später der Bernische Polizeikommandant Stefan Blättler lapidar.

4. Tag – 11. September 2010

Die Grossfahndung nach Peter Hans Kneubühl im Raum Biel geht mit Hockdruck weiter.

Die Polizei lässt verlauten, Kneubühl habe mit Perfektion sämtliche Eventualitäten geplant. Auf einen bewaffneten Konflikt sei er vorbereitet gewesen.

5. Tag – 12. September 2010

Ein Bekannter Kneubühls wendet sich an die Polizei und bietet seine Hilfe an.

6. Tag – 13. September 2010

Der Bekannte schreibt einen offenen Brief an Kneubühl und bittet um Kontaktaufnahme. Die Berner Kantonspolizei hängt diesen an zahlreichen öffentlichen Plätzen aus. Auch mittels Flugzeug werden zahlreiche Exemplare abgeworfen. Womit keiner rechnet: Die Initiative hat Erfolg. Kneubühl meldet sich tatsächlich unter der auf dem Flugblatt angegebenen Nummer.

Aber es gibt erneut eine Panne. Der Anruf kann angeblich nicht zurückverfolgt werden. Zwar spricht Kneubühl für rund zehn Minuten mit einem Mitglied der Verhandlungsgruppe. Doch wegen Serverproblemen kann der Aufenthaltsort Kneubühls nicht genau bestimmt werden.

7. Tag – 14. September 2010

Die Fahndung nach dem Flüchtigen läuft weiter und die Kantonspolizei präsentiert Bilder aus Kneubühls Haus. Darauf zu sehen sind diverse Pistolen, aber auch eine Armbrust samt Pfeilen. Zudem findet die Polizei in einem Versteck 50 000 Franken.

In Biel selbst findet die Jagd auf Kneubühl unterdessen nicht überall ungeteilte Zustimmung. Dabei gibt es Demonstrationen kleiner Gruppen, die dadaistisch daherkommen und den Eindruck eines Kunshappenings haben. Via Facebook sprechen andere wiederum dem Geflüchteten Mut zu.

Doch es gibt auch seriöse Stimmen. Sie fordern, dass die Polizei Kneubühl die Chance geben muss sich zu stellen, ohne dabei um sein Leben bangen zu müssen.

8. Tag – 15. September 2010

Die Fahndung nach Kneubühl verläuft weiter ergebnislos.

9. Tag – 16. September 2010

Kneubühl bleibt wie vom Erdboden verschluckt. Sein ehemaliges Haus im Bieler Lindenquartier und das umliegende Gebiet werden weiterhin schwer bewacht.

10. Tag – 17. September 2010

Am frühen Morgen geht der Anruf einer Frau bei der Polizei ein. Sie hat Kneubühl dank der neuen Fahndungsfotos erkannt. Ein Polizeihund spürt den Rentner auf. Kurz darauf klicken die Handschellen.

Die Jagd nach Peter Hans Kneubühl hat nach 10 Tagen ihr Ende gefunden. Die Aufarbeitung der Polizeipannen wird allerdings wesentlich länger daue. (sda)

 

Die Belagerung

Ein Grossaufgebot der Polizei. Es kommen Panzer, Scharfschützen und Roboter zum Einsatz. Nach tagelanger Belagerung nahm die Polizei Vermessungen das Grundstückes vor. Die Polizei ging in der Annahme – Kneubühl habe einen Tunnel gebaut. Ein Bauunternehmen arbeitete unter Polizeischutz im Garten. Auch unter Polizeischutz räumte ein Zügelunternehmen das Haus.

Die Suche

Wälder, Quartiere und Dörfer wurden gesperrt. Flugzeuge warfen Flugblätter ab – die Polizei fahndete tagelang mit einem falschen Foto von Kneubühl

Die Verhaftung

Ein Spührhund der Kantonspolizei Basel-Stadt stellte Kneubühl am 17. September auf einem Feld in Ried

Die Besichtigung

Das Elternhaus von Kneubühl wird für eine Besichtigung freigegeben. Das Haus soll versteigert werden. Einige interessenten sind vor Ort – die Besichtigung wird von der Polizei überwacht. In der Küche, im Fussboden, ist ein Einschussloch zu sehen. 

Die Käufer

Romy B. und ihr Partner Albert G. haben Kneubühls Elternhaus am 09. Dezember 2010 im Bieler Hotel Elite für 405’000.– Franken ersteigert. Am 26. Dezember 2010 betraten sie zum ersten Mal ihr neues Haus. Sie haben für Kneubühl Weihnachtsguetzli gebacken und wollen ihm diese ins Gefänglnis bringen. Kneubühl liess darauf verlauten: „Ich schlitze ihnen die Kehle auf“.

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